Sänger seiner Klasse

Ernst Busch ( 1900 - 1980 ), deutscher Schauspieler, Sänger und Kabarettist; der berühmte Interpret von Liedern der Arbeiterbewegung; der Songs und Gedichte von Bertolt Brecht und Kurt Tucholsky. Geboren am 22.Januar 1900 in Kiel als Sohn eines Maurers; Familie mit sozialdemokratischer Tradition. Lehre als Maschinenschlosser in der Germaniawerft von Krupp, nebenbei Schauspiel - und Gesangsunterricht. 1917 Distriktleiter der Kieler Arbeiterjugend, Parteinahme für die proletarische Bewegung.

1921 arbeitslos, Volontär am Stadttheater Kiel, dort Bekanntschaft mit Carl Zuckmayer, Gustav Gründgens, Bernhard Minetti, Hans Söhnker.

In den zwanziger Jahren spielt er in den Berliner Kabaretts "Larifari", "Die Katakombe" und die "Brücke", trägt dort vorwiegend sozialkritische und politische Songs vor. An der Piscator-Bühne lernt er 1929 den Komponisten Hanns Eisler kennen; es entwickelt sich eine lebenslange Freundschaft und Zusammenarbeit. Ab 1929 erscheinen Schellackplatten u.a. mit Texten von Robert Gilbert ( "Lied der Arbeitslosen" / "Stempel-Lied") , Bertolt Brecht ("Solidaritätslied"), Tucholsky ("Bürgerliche Wohltätigkeit"), Musik jeweils von Hanns Eisler.

Gleichzeitig - neben Theater und Rundfunk - als Filmschauspieler tätig: Einige seiner Filme zählen zu den filmgeschichtlich bedeutendsten der Weimarer Zeit ("Dreigroschenoper", "Kuhle Wampe", "Niemandsland" und "Kameradschaft"). Sänger auf Massenveranstaltungen.

Ab 1929 ist er in der Künstlerkolonie in Berlin-Wilmersdorf wohnhaft, wo er bis 1933 und vom 1.Mai 1945 bis 1951 bleiben wird.

Im März 1933 Emigration: Amsterdam, London, 1935 Moskau. Auch dort Rundfunkarbeit und Schallplattenaufnahmen ("Lied der Moorsoldaten"). Busch wird denunziert; Gefahr der Verhaftung.

Februar 1937: Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg, Herausgabe von Liederbüchern und Schallplatten mit Liedern der Internationalen Brigaden. 1940 Internierung in französischen Lagern, 1942 Flucht und Gefangennahme an der Schweizer Grenze; Auslieferung an die Gestapo. November 1943: Luftangriff auf das Moabiter Gefängnis, Busch wird verschüttet, Lähmung der rechten Gesichtshälfte.

Am 27.April 1945 Befreiung aus dem Zuchthaus Brandenburg durch die Rote Armee. Ab 16.Mai 1945 Kulturdezernent des Bezirksamtes Wilmersdorf. Am 12.Juli 1946 Gründung der Schallplattenfirma "Lied der Zeit", wo zahlreiche Aufnahmen mit Liedern der Arbeiterbewegung erscheinen, aber auch Jazzplatten und Unterhaltungsmusik beim Label "Amiga".

Nach Zerwürfnissen mit Funktionären der SED ab 1.April 1953 Überführung der Firma in Volkseigentum. Busch verstummt danach auch im Rundfunk; er findet seine Heimstatt im Berliner Ensemble bei Bertolt Brecht und Helene Weigel. In Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste gibt Busch bei VEB Deutsche Schallplatte ab 1961 seine legendäre "Aurora" -Schallplattenreihe heraus, seiner Chronik der Arbeiterbewegung in Liedern und Gedichten, denen er sich unermüdlich bis 1978 widmet.

Nach schwerer Erkrankung stirbt Ernst Busch am 8.Juni 1980. Bis zu diesem Zeitpunkt sind 28 EP-Alben und 2 Langspielplatten in dieser Reihe erschienen, jeweils mit einem Begleitheft. Als Gesamtwerk bestehen weit über 1000 Tonaufnahmen von Ernst Busch.